Sammlung spiritistischer Gebete – Präambel

 1. Die geistigen Mentoren sagen immer: „Die Form ist nicht wichtig, der Gedanke ist alles. Betet deswegen, jeder von euch, nach seiner Überzeugung und so, wie es euch am meisten berührt. Denn ein guter Gedanke ist mehr wert als zahlreiche Worte, die nicht vom Herzen kommen.“

 In den spirituellen Botschaften werden keine absoluten Formel des Gebetes vorgeschrieben. Wenn sie uns Gebete vorschlagen, haben diese den Zweck, unsere Ideen auf ein klares Ziel auszurichten und vor allem die Aufmerksamkeit auf bestimmte Prinzipien der Spiritistischen Lehre zu richten. Ihre Gebete wollen den Menschen helfen, die Schwierigkeit haben, ihre Ideen zum Ausdruck zu bringen. Denn sie selbst glauben nicht wirklich gebetet zu haben, wenn sie ihre Gedanken nicht richtig zum Ausdruck gebracht haben.

 Die Sammlung der Gebete in diesem Kapitel ist eine Auswahl, welche die geistigen Mentoren unter verschiedenen Umständen diktiert haben. Sie haben sicherlich auch andere Gebete diktiert, mit anderen Ausdrucksweisen, die zu bestimmten Ideen oder zu besonderen Fällen passen. Aber die Form ist nicht wichtig, so lange der grundlegende Gedanke derselbe ist. Denn die Absicht des Gebetes soll es sein, unsere Seele zu Gott zu erheben. Die Mannigfaltigkeit der Formeln soll keinen Unterschied zwischen denjenigen zeichnen, die an Gott glauben und noch weniger zwischen den Bekennenden des Spiritismus. Denn Gott nimmt alle aufrichtigen Gebete an.

 Diese Sammlung soll daher nicht als ein einziges und absolutes Gebetsbuch betrachtet werden. Sie stellt eine Variante der spirituellen Unterweisungen dar. Sie ist daher als ein Anwendungsbeispiel der Prinzipien der moralischen Lehre des Evangeliums zu betrachten, welche in diesem Buch behandelt werden. Als eine Ergänzung der geistigen Lehre, die sich auf die Pflichten gegenüber Gott und gegenüber unserem Nächsten beziehen. Deswegen wird man hier alle Prinzipien der Spiritistischen Lehre wieder erkennen.

 Die Spiritistische Lehre erkennt die Gebete aller Religionen als gut an, vorausgesetzt sie werden mit dem Herzen und nicht nur mit den Lippen gesprochen. Die Lehre zwingt niemanden zu einem bestimmten Gebet, noch beanstandet die irgendein anderes. Gott ist laut der Spiritistischen Lehre, so erhaben, dass Er eine Stimme nicht ablehnen würde, die Ihn anfleht oder lobpreist, weil das Gebet in der einen oder anderen Weise gemacht wird.

Wer auch immer Gebete nicht annehmen würde, die in seinem Gebetsbuch nicht stehen, beweist dass er die Größe Gottes nicht kennt. Der Glaube, dass Gott sich an einer Formel festhält, bedeutet Ihm die Kleinheit und die Leidenschaften des Menschen zu verleihen.

 Nach der Auffassung des Heiligen Paulus ist eine der wesentlichen Bedingungen des Gebetes verständlich zu sein, damit es unseren Geist erreichen kann (siehe Kap. XXVII, Abs. 16, S. 347). Dafür reicht es nicht, dass das Gebet in einer von dem Betenden bekannten Sprache gesprochen wird. Es gibt Gebete, die selbst in einer alltäglichen Sprache gebetet, gedanklich genauso wenig aussagen, als wenn sie in einer uns fremden Sprache gesprochen würden. Sie berühren deswegen das Herz nicht. Die raren Ideen, die in diesen Gebeten vorkommen, werden oft durch Wortfülle und durch sprachlichen Mystizismus erstickt.

 Das Gebet muss in seinen wesentlichen Eigenschaften klar, einfach, kurz fassend sein, ohne unnötige Sätze und viele Namen, die nicht mehr als luxuriöser Schmuck sind. Jedes Wort muss seine eigene Reichweite haben, eine Idee ausdrücken und die Seele tief berühren. Das Gebet muss, in einem Wort, zu einer Reflexion führen. Nur unter dieser Bedingung kann das Gebet sein Ziel erreichen, andererseits ist es nur Palaver.

Man bemerkt jedoch, wie das Gebet meistens zerstreut und unbeständig ausgesprochen wird. Man sieht sich bewegende Lippen, aber durch den Gesichtsausdruck und durch den Klang der Stimme erkennt man eine rein mechanische und äußerliche Handlung, an der die Seele nicht teilnimmt.

 Die zusammengestellten Gebete in dieser Sammlung sind in fünf Kategorien eingeteilt:

  • I – Allgemeine Gebete
  • II – Gebete für sich selbst
  • III – Fürbitten für die Nächsten
  • IV – Fürbitten für die Verstorbenen und
  • V- Fürbitten für die Kranken und die Besessenen.

 Mit der Absicht, ein besonderes Augenmerk auf das Ziel jedes Gebetes zu richten und seine Bedeutung zu einem besseren Verständnis zu bringen, werden alle Gebete von einer Einführung eingeleitet. Sie ist jeweils unter dem Titel „EINFÜHRUNG“ den Gebeten vorangestellt.


Evangelium – Inhaltsverzeichnis KAPITEL  XXVIII – Sammlung
spiritistischer Gebete
Das Vaterunser

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