Allan Kardec (Biographie)

Allan Kardec wurde am 3. Oktober 1804 als Hippolyte Léon Dénizard Rivail in Paris, Frankreich geboren.

Er war Sprössling einer alten Familie, die sich in der Magistratur (Verwaltung) und Advokatur (Anwaltswesen) ausgezeichnet hatte. Rivail folgte dieser Laufbahn nicht.

Seit seiner ersten Jugend fühlte er sich zum wissenschaftlichen und zwar philosophischen Studium hingezogen. Erzogen wurde er in der Pestalozzi-Schule zu Yverdon in der Schweiz (Yverdon-les-Bains) und war einer der hervorragendsten Schüler des berühmten Lehrers und ein eifriger Verbreiter seines Erziehungssystems, das auf die Unterrichtsreform Deutschlands und Frankreichs einen so großen Einfluss ausgeübt hat.

Nachdem seine Studien beendet waren, kam er zurück nach Frankreich. Als Kenner der deutschen Sprache übersetzte er verschiedene Werke über Erziehung und Ethik ins Deutsche, darunter auch Werke von François Fénelon, die ihn besonders anzogen.

Er war Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften, u.a. der königlichen Akademie von Arras, die ihn 1831 für eine bemerkenswerte Denkschrift über die Sprache mit einem Preis krönte, mit dem Titel: „Welches ist das mit den Bedürfnissen der Zeit am meisten harmonierende Studiensystem?“

In den Jahren 1835-1840 gab er in seiner Wohnung in Paris, Rue de Sèvres Gratiskurse, in denen er Chemie, Physik, vergleichende Anatomie, Astronomie usw. unterrichte. Dies geschah zu einer Zeit, in der der Zugang zu Bildung besonders eingeschränkt war.

In dem Versuch, die Erziehungssysteme anziehend und interessanter zu gestalten, erfand er eine neue Methode, rechnen zu lernen und eine mnemotechnische Tafel der französischen Geschichte, welche die Taten der wichtigsten Ereignisse und Entdeckungen, die jede Regierung auszeichneten, veranschaulichte.

Unter seinen zahlreichen Erziehungsschriften sind zu zitieren:

  • Plan zur Verbesserung des öffentlichen Unterrichts (1828)
  • Praktischer Kurs und Theorie der Arithmetik nach der Methode Pestalozzis zum Gebrauch für Lehrer und Familienmütter (1829)
  • Klassische französische Grammatik (1831)
  • Prüfungshandbuch zur Erlangung von Fähigkeitsausweisen. Vernünftige Schlüsse über Fragen und Probleme der Arithmetik und Geometrie (1846)
  • Grammatikalischer Katechismus der französischen Sprache (1848)
  • Programm der gewöhnlichen Kurse der Chemie, Physik, Astronomie, Physiologie (das er am polytechnischen Lyzeum hielt).
  • Normaldiktate der Prüfungen im Hotel de Ville und der Sorbonne, mit besonderen Diktaten über die orthographischen Schwierigkeiten (1849). – (Eine Arbeit, die zur Zeit ihres Erscheinens sehr geschätzt war und von der noch zur Zeit seines Todes neue Auflagen erschienen.)

Somit hatte sich Professor Rivail bereits einen Namen in der Französischen Gesellschaft im Bereich Pädagogik und Sprache gemacht.

Im Jahr 1854 hörte Rivail zum ersten Mal durch einen Freund über das Phänomen der rückenden Tische. Anfangs skeptisch, ließ er sich später überreden, an einer Sitzung teilzunehmen, bei der die Tische Antworten auf die Fragen der Anwesenden klopften, die – soweit nachprüfbar – korrekt waren. Anders als viele andere Anwesende war er nach seinen Beobachtungen der Meinung, dahinter stecke vielleicht ein bislang noch unbekanntes Naturgesetz und beschloss, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Als er während einer Sitzung dem Tisch die Frage stellte, wie denn ein Tisch intelligente Antworten klopfen könne, obwohl er kein Nervensystem besäße, wurde geantwortet, dass es nicht die Tische seien, die antworten, sondern die Geister der Verstorbenen, die sich des Tisches nur bedienen.

Da er selbst kein Medium war, stellte er eine Liste von Fragen zusammen und begann mit diversen „Medien“ zusammenzuarbeiten, um diese Fragen an Geister zu stellen und die Antworten zu dokumentieren.

Am 18. April 1857 veröffentlichte Prof. Rivail auf Bitte der „Geistwesen“ das Buch der Geister, das erste Buch seiner Sammlung und ein wesentliches Werk des Spiritismus. Es beinhaltet 1019 Fragen und Antworten bezüglich seiner Auffassung zur Natur der Geistwesen, des Jenseits, der Beziehung zwischen der geistigen Welt und der irdischen Welt und viel mehr.

Unter dem Pseudonym Allan Kardec veröffentlichte er daraufhin folgende Hauptwerke:

  • Der Spiritismus in seinem einfachsten Ausdruck
  • Was ist der Spiritismus
  • Das Buch der Geister
    (Das zentrale Werk der spiritistischen Lehre. 1. Ausgabe 18. April 1857)
  • Das Buch der Medien
    (Experimentell-wissenschaftlicher Teil der spiritistischen Lehre, Januar 1861)
  • Das Evangelium im Lichte des Spiritismus
    (ethisch-moralischer Teil der spiritistischen Lehre, April 1864)
  • Der Himmel und die Hölle
    (Die göttliche Gerechtigkeit im Lichte des Spiritismus, August 1865)
  • Die Genesis
    (Die Schöpfungsgeschichte, die Wunder und Weissagungen im Lichte des Spiritismus, Januar 1868)
  • Revue Spirite
    (Monatliche Zeitschrift für psychologische Studien, ab Januar 1858)

Am 1. April 1858 gründete Kardec in Paris die erste spiritistische Gesellschaft unter dem Namen: „Société Parisienne des Etudes spirites“, deren ausschließliches Ziel das Studium all dessen war, was zum Fortschritt dieser neuen Wissenschaft beitragen kann.

Allan Kardec verteidigt sich mit Recht, nichts unter dem Eindruck vorgefasster oder systematischer Ideen geschrieben zu haben. Als Mann der Wissenschaft hat er die Tatsachen beobachtet und von diesen Beobachtungen die Gesetze abgeleitet, durch die sie bestehen. Er war der erste Theoretiker des so genannten Spiritismus und stellte eine methodische Lehre davon auf. So erbrachte er den Erweis, dass viele Phänomene, die fälschlicherweise „übernatürlich“ und „wundersam“ genannt werden, auf gesetzmäßigen Tatsachen beruhen, die Naturerscheinungen sind und nur nicht gründlich erforscht und begriffen worden sind.

Während der ersten Jahre, in denen die Frage nach den spiritistischen Erscheinungen bestand, waren diese Kundgebungen mehr ein Gegenstand der Neugierde, als ein Objekt ernsten Nachdenkens. Das Buch der Geister betrachtete die Sache aus einem ganz anderen Gesichtspunkt. Da verließ man die drehenden Tische, die nur ein Vorspiel gewesen waren, und man versammelte sich um einen wissenschaftlichen Kernpunkt, der die wichtigsten Fragen des menschlichen Daseins umfasste. (siehe Die 3 Grundaspekte der Spiritistischen Lehre)

Von der Erscheinung des Buches der Geister an datiert die wahre Begründung der spiritistischen Wissenschaft, die bis dahin nur aus zerstreuten Elementen ohne Verbindung bestand, deren Tragweite nicht von jedermann verstanden werden konnte. Von diesem Augenblick an fesselte jene Lehre die Aufmerksamkeit auch vieler ernsten Menschen und nahm eine rasche Entwicklung. In wenigen Jahren fanden die Ideen zahlreiche Anhänger in allen Schichten der Gesellschaft und in allen Ländern. Dieser Erfolg wird zweifellos vor allem den Sympathien verdankt, denen diese Gedanken begegneten. Aber zum großen Teil trug dazu auch die Klarheit bei, die ein hervorragendes Merkmal der Schriften Allan Kardecs ist. Denn die Bücher verzichten auf abstrakte Ausdrücke der Philosophie, Physik oder Metaphysik. Sie waren klar verständlich, was eine wesentliche Bedingung für die Verbreitung einer Idee ist. Kardec‘s streng logische Beweisführung bietet Streitpunkten wenig Handhabe zur Widerlegung und macht die Überzeugung empfänglich. Die empirischen Belege, die der Spiritismus von der Existenz der Seele und des künftigen Lebens gibt, haben die Zerlegung der materialistischen Anschauungen zur Folge.

Einer der fruchtbarsten Grundsätze dieser Lehre, der sich aus dem Vorhergehenden ergibt, ist der Grundsatz von der Vielheit der menschlichen Existenzen (Reinkarnation), die schon von zahlreichen alten und modernen Kulturen und Philosophen begründet wurden.
(siehe auch die Themen “Reinkarnation“)

So begründet die Spiritistische Lehre mit logischen Argumenten, dass die Reinkarnation eines der unerlässlichen Attribute der menschlichen Wesenheit ist. Von diesem Prinzip leitet sich die Lösung aller scheinbaren Unregelmäßigkeiten des menschlichen Lebens, aller intellektuellen moralischen und sozialen Ungleichheiten ab. Durch die Tatsache des früheren Lebens wird der Mensch darüber aufgeklärt, woher er kommt, wohin er geht, zu welchem Zweck er auf der Erde ist und weshalb er leidet. Die angeborenen Ideen erklären sich durch die in den vorhergehenden Lebensläufen erworbenen Erkenntnisse. Der Kulturfortschritt der einzelnen Völker und der ganzen Menschheit erklärt sich durch die Mehrheit der Existenzen des einzelnen Menschen. Denn dieser bringt aus den vergangenen Leben all seinen Fortgeschritten, Kenntnissen, Sympathien und Antipathien. Diese Beziehungen der großen menschlichen Familie aller Zeiten mit den großen Prinzipien der Brüderlichkeit, Gleichheit, Freiheit und allgemeiner Zusammengehörigkeit, haben nicht mehr eine bloße Theorie, sondern die Naturgesetze selbst zur Basis.

Anstatt des Grundsatzes: „außerhalb der Kirche kein Heil“, der die Trennung und Erbitterung zwischen den verschiedenen Sekten unterhält und der so viel Blutvergießen in früheren Zeiten gekostet hat, erhob die Spiritistische Lehre nach Kardec die Wahrheit zum Grundsatz: „Außerhalb der Nächstenliebe kein Heil“, d.h. Gleichheit unter den Menschen vor Gott. Toleranz, Gewissensfreiheit und gegenseitiges Wohlwollen!
Anstatt des blinden Glaubens, der die Denkfreiheit vernichtet, sagt er: „unerschütterlicher Glaube, ist nur solcher, der sich jederzeit der menschlichen Vernunft stellen kann.“ Der Glaube braucht also eine solide Basis. Diese Basis ist die vollkommene Einsicht und Verständnis dessen, was man glauben soll. Um zu glauben, genügt es nicht zu sehen, man muss vor allem verstehen. Der blinde Glaube ist nicht mehr Sache dieses Jahrhunderts. Denn gerade das Dogma des blinden Glaubens erweckt heute die größte Zahl der Ungläubigen, weil er sich aufdrängen will und weil er die Aufgabe einer der kostbarsten Fähigkeiten des Menschen verlangt: die Vernunft und den freien Willen. (Siehe Stichwort „Glaube“ im Buch „Das Evangelium im Lichte des Spiritismus“)

Allan Kardec, der unermüdliche Arbeiter, starb am 31. März 1869, mitten in den Vorbereitungen zu einem Lokalwechsel seiner Studien- und Geschäftsräume, der durch die beträchtliche Ausdehnung seiner mannigfachen Aufgaben nötig geworden war. Zahlreiche Schriften, die er gerade beenden wollte oder deren geeignete Erscheinungszeit er abwartete, werden eines Tages noch mehr die Ausdehnung und die Wirksamkeit seiner Schöpfungen beweisen. (siehe auch das Buch „Posthume Veröffentliche Werke Allan Kardec‘s“)

Kardec erlag einer langwierigen Herzkrankheit. Seine Bücher und seine Werke geben heute Hoffnung und Trost für viele Menschen. Diese sind die Basis für Studien und Therapien von Millionen Menschen weltweit in vielen Sprachen und Kulturen.

Nach der anfänglich großen Verbreitung der spiritistischen Lehre in allen Schichten der Gesellschaft geriet der Spiritismus insbesondere in Deutschland immer mehr in Verruf und später in Vergessenheit. Dies lagt an mehreren Faktoren. Zum einen gab es viele Scharlatane unter den Medien, die mediumistische Phänomene aus kommerziellen Gründen nur vortäuschten und so den Spiritismus in ein negatives Licht brachten.

Die Entdeckung des Unterbewusstseins durch Sigmund Freud, mit der man meinte, mediumistische Phänomene als Verlautbarungen des Unterbewusstseins des jeweiligen Mediums zu erklären, tat ihr übriges.

Während des dritten Reichs wurden dann alle spiritistischen Bücher und Schriften verbrannt und Anhänger des Spiritismus in Konzentrationslagern ermordet.

So erreichte der Spiritismus bis ca. 1935 seinen Tiefpunkt in Deutschland und erfuhr erst zum Ende des 20. Jahrhunderts mit der Gründung spiritistischer Studienkreise durch brasilianische Einwanderer wieder eine zarte Belebung. 

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